Wertebasiertes Praxismanagement braucht klare Führungs- und Praxisleitlinien
Die größte Schwierigkeit im Praxisalltag ist das Miteinander. Wenn alle an einem Strang ziehen, wenn Verantwortlichkeiten klar geregelt sind und ein wertschätzender Umgang mit einer guten Kommunikationskultur gepflegt wird, bleibt den Praxisinhaber:innen viel Ärger erspart.
Dafür steht ein wertebasiertes Praxismanagement. Hier werden die Führungsleitlinien und die Praxisleitlinien nicht nur besprochen, sondern es wird auch ein System implementiert, das sicherstellt, dass im Alltag auch wirklich danach gearbeitet wird.
Leitlinien, die lediglich als schönes Poster an der Wand hängen, sind überflüssig. Doch was braucht es stattdessen?
Was sind Führungsleitlinien?
Jede Praxisinhaberin, jeder Praxisinhaber führt anders. Der eine entscheidet schnell und direkt, die andere bezieht das Team lieber vorher ein. Das ist gut so — Führung darf und soll zur Person passen. Schwierig wird es erst, wenn diese Unterschiede nie besprochen werden. Dann erlebt das Team in derselben Praxis komplett unterschiedliche Spielregeln, je nachdem, wer gerade “zuständig” ist. Genau hier setzen Praxiswerte an.
Individueller Führungsstil ja — aber nicht bei allem
Besonders in Gemeinschaftspraxen und BAGs führt mehr als eine Person. Und jede Führungskraft darf ihren eigenen Stil haben — das muss so bleiben, sonst wird Führung unpersönlich und unehrlich. Aber es gibt Themen, bei denen unterschiedliche Linien im Alltag nicht funktionieren:
- Wie geht die Praxis mit Fehlern um — wird gesucht, wer schuld ist, oder wird gemeinsam nach einer Lösung geschaut?
- Was ist verhandelbar, was nicht — bei Dienstplänen, bei Urlaub, bei kurzfristigen Absagen?
- Wie offen wird mit Kritik umgegangen — darf ein Teammitglied auch einer Praxisinhaberin widersprechen?
Wenn Praxispartner:innen sich hier nicht abstimmen, spürt das Team es sofort — und beginnt, Führungspersonen gegeneinander auszuspielen, meist unbewusst. Doch darüber hinaus regeln die Führungsleitlinien auch die Zusammenarbeit zwischen den Praxispartnern selbst: Wer übernimmt welche Aufgaben in der Praxisleitung, und wie werden Entscheidungen getroffen?
Praxiswerte sind deshalb kein Wohlfühlthema, sondern ein Führungsinstrument: Sie legen fest, wo Einigkeit gefragt ist, und lassen an anderer Stelle bewusst Raum für den persönlichen Stil.
Praxisleitlinien: für das ganze Team, nicht nur für die Führung
Führungsleitlinien klären die Linie unter den Praxisinhaber:innen. Praxisleitlinien gehen einen Schritt weiter: Sie gelten für alle — Ärzt:innen, MFAs, Praxismanager:in, jede neue Kollegin, jeden neuen Kollegen. Sie beantworten die Fragen, die im Alltag ständig implizit mitlaufen: Wie sprechen wir miteinander? Was erwarten wir voneinander? Wie gehen wir mit Patient:innen um, wenn es schwierig wird?
Der entscheidende Punkt dabei: Praxisleitlinien, die eine Praxisinhaberin allein am Schreibtisch formuliert und dann verteilt, werden selten gelebt. Sie werden gelesen, vielleicht sogar aufgehängt — und im Alltag trotzdem ignoriert, weil sich niemand aus dem Team darin wiederfindet.
Praxisleitlinien tragen nur, wenn sie gemeinsam erarbeitet werden. Nicht, weil das demokratischer klingt, sondern weil erst der Prozess dafür sorgt, dass sich das Team wirklich damit identifiziert. Und dieser Prozess selbst ist schon der erste Schritt zu einer besseren Praxiskultur: Menschen reden miteinander über das, was ihnen wichtig ist, statt aneinander vorbei zu arbeiten.
Doch genauso wichtig wie die gemeinsame Erstellung der Praxisleitlinien ist die gemeinsame Klärung, wie sichergestellt wird, dass danach auch wirklich nach den Leitlinien gearbeitet wird.
Was das für Ihre Praxis konkret bedeutet
Praxiswerte sind also zwei unterschiedliche Ebenen, die zusammengehören:
Für die Führungsebene: Sich als Praxispartner:innen bewusst auf die wenigen Punkte zu einigen, bei denen es eine gemeinsame, klare Haltung braucht — und beim Rest den individuellen Führungsstil ausdrücklich zuzulassen.
Für das ganze Team: Praxisleitlinien nicht vorzugeben, sondern gemeinsam mit dem Team zu entwickeln — als Prozess, der Klarheit schafft und gleichzeitig die Zusammenarbeit stärkt.
Es bietet sich an, dies jeweils in einem Workshop mit allen Beteiligten zu erarbeiten.
Häufige Fragen
Brauchen auch kleine Einzelpraxen Praxiswerte?
Ja. Auch mit einer Praxisinhaberin und wenigen Mitarbeitenden lohnt sich Klarheit darüber, wie zusammengearbeitet wird — spätestens, wenn das Team wächst oder es zu Konflikten kommt.
Wie viel Zeit kostet die Entwicklung von Praxisleitlinien?
Das hängt vom Klärungsbedarf ab. Oft reicht ein halber Praxistag als Einstieg, gefolgt von wenigen kürzeren Terminen, um die Ergebnisse im Alltag zu verankern.
Was, wenn sich Praxispartner:innen bei den Führungsleitlinien nicht einig werden?
Genau dafür braucht es einen strukturierten, moderierten Rahmen — damit unterschiedliche Sichtweisen offen auf den Tisch kommen, statt im Alltag stillschweigend gegeneinander zu wirken.
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